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Internationales Treffen in Marina di Grosseto, Italien (06. - 09.07.2007)

Veranstalter? GWCI
Wann? 06. - 08. Juli 2007
Wo? Marina di Grosseto (bei Grosseto)
Hinfahrt?

möglichst schnell
Illgau - Gotthard - Mailand - Genua - Sestri
Sestri - Livorno - Grosseto - Marina di Grosseto

Rückkehr? Marina di Grosseto - Livorno - Pisa - Lucca - Modena - Verona - San Giorgio
San Giorgio - Trento - Cles - P. Tonale - Tirano - Berninap. - Julierp. - Illgau
Distanz? 1'797 km
Bilder? ja (aber Akku war leider plötzlich leer)

 

Trudi und ich entschliessen uns an diesem Treffen teilzunehmen. Wir hoffen natürlich auf schönes Wetter, wenig Verkehr und möglichst wenig Polizei auf der Strecke.

Freitag, 06. Juli 2007
Das Gepäck ist gepackt. Alles ist gut aufgebunden. Der Tank fast voll. Die Pneus in gutem Zustand. Es kann losgehen.
Im Verlaufe des Nachmittags wird gestartet. Falls es gut läuft (keine Staus bei Mailand), können wir noch am gleichen Abend in Marina di Grosseto eintreffen. Der erste Stau begegnet uns schon vor Göschenen. Wir entschliessen uns über den Gotthard zu fahren. Es ist kein schlechter Entscheid. Bei schönem Wetter und angenehmen Temperaturen bezwingen wir diesen Pass.
Kurz vor der Grenze besuchen wir nochmals eine Tankstelle und füllen bis zum Rande mit Benzin auf. Am Zoll ist doch tatsächlich der nächste kleine Stau. Leider können wir zu Beginn nicht so zügig fahren wie gewünscht. Eine Temporeduktion zwingt uns zum Langsam-Fahren. Ich weiss nicht, ob das etwas mit der Rauchentwicklung in der Nähe der Autobahn zu tun hat.
Doch endlich, es geht vorwärts. Wir überholen und werden überholt. Wir sind in Italien. Es scheint keine Rolle zu spielen, ob wir links oder rechts fahren. Die Italiener überholen in allen Positionen. Kurz vor Mailand treffen wir voll auf den Wochenendverkehr Richtung Süden. Im ersten Stadium bleiben wir schön in der Kolonne. Im zweiten Stadium geht es zwischen den langsam fahrenden Kolonnen vorwärts. Im dritten Stadium schliessen wir uns dem Fahrstil der italienischen Töfffahrern an. So kommen wir mehr oder weniger zügig voran. Jetzt entschliessen wir uns über Genua zu fahren. So verlassen wir recht schnell das Vorortsgebiet von Mailand. Plötzlich ist es wieder schön zu fahren. Die meisten Autofahrer nehmen wahrscheinlich die Route über Bologna.
Irgendwo auf der Strecke gibt es ein Kaffee und ein Sandwich dazu. Die Temperatur ist recht hoch. Wir stellen auf Sommer um. Angenehmer, aber immer noch warm geht es Richtung Süden. Die Zeit läuft. Es wird langsam Abend. Kommen wir noch bis Marina di Grosseto? Bei Genua sind die Strassen wieder voll von Autofahrern. Immerhin kein Stau. Die in Mailand gelernte Taktik des Vorwärtskommens gilt auch hier. Die Italiener machen es uns vor. In der Nähe von Sestri entschliessen wir uns zu übernachten. Da wir Zelt und Schlafsäcke bei uns haben, suchen wir gar kein Hotel. Auf dem Abstellplatz einer abgelegenen Strasse legen wir unsere Matten auf den Boden, stellen die Goldwing als Sichtschutz hin und rollen die Schlafsäcke aus. Glühwürmchen heissen uns willkommen und leuchten uns. Die Geräuschkulisse sind wir nicht ganz gewöhnt (da raschelt es, dort knistert es, ...). Wir schlafen nicht ganz so gut wie daheim im Bett, aber wir haben eine Erholungsphase.

Samstag, 07. Juli 2007
Kurz nach sechs Uhr erwacht das Leben. Auch der Verkehr nimmt langsam zu. Die abgelegene Strasse ist nicht mal so "unbefahren" wie wir dachten. Also stehen wir auf. Es ist schönes Wetter und warm. Alles einpacken und weiter geht es. Wir fahren wieder auf der Autobahn Richtung Süden. Unser Ziel ist es möglichst schnell beim Zeltplatz zu sein. Das schliesst aber ein Morgenkaffee nicht aus. In Grosseto verlassen wir die Autobahn und suchen den Zeltplatz Cielo Verde. Bald ist er gefunden. Wie könnte es anders sein. Kommt man zur Einschreibung, so trifft man schon die ersten Schweizer (George, der sich auch gerade einschreibt). Danach fahren wir langsam Richtung Goldwing-Zeltplatz. Die ganze Anlage ist recht gross. Es sind zwar viele Personen am Zelten. Doch sie verteilen sich recht gut. Auf dem Wege treffen wir auf Pfyffemarkus, der mit einem Velo unterwegs ist. Er führt uns zu ein paar Schweizerzelten. Er selber bleibt ca. zwei Wochen mit seiner Frau auf diesem Platz.
Wir suchen uns ein schönes Plätzchen. Nach dem Abziehen des Helmes erwartet uns ein sehr lautes Zirpen von Grillen. Hoffentlich zieht sich dieses Geräusch nicht durch die ganze Nacht. Sonst müssen wir noch Oropax einkaufen. Markus beruhigt uns. In der Nacht hört man nur ein paar Uhus. Das Zelt ist schnell aufgebaut. Nun geht es ans Erkunden des Zeltplatzes. Wo gibt es etwas zu essen? Wo ist schon wieder der Eingang? Wo und wie weit entfernt liegt der Strand? All diesen Fragen gehen wir jetzt nach. Zuerst geht es zu Pfyffemarkus. Wow - er hat ein neues Zelt. Da das neue Zelt keinen Platz im Anhänger hatte, musste er sich einen neuen Anhänger kaufen. Und wenn schon, dann auch noch eine neue Goldwing 1800. Jetzt ist Markus sehr gut ausgerüstet. Und er hat genügend Platz, auch wenn das Wetter nicht ganz gut sein sollte, sie bleiben trocken.
Wir haben Hunger. Wo ist die Pizzeria? Und schon haben wir sie gefunden. Pizzas gibt es erst am Abend. Also essen wir etwas anderes, z.B. Salat und ein halbes Poulet. Nach dem Essen will Trudi im Meer baden gehen. Gesagt, getan. Schon steht sie im Wasser. Ich bewache zu dieser Zeit den Töffschlüssel und das Portemonnaie.
Um 16 Uhr ist die Nationenparade angesagt. Wo werden sich die Schweizer besammeln? Wir fahren zum Eingang. Dort ist eine kleine Gruppe von Schweizern. Wir schliessen uns ihnen an. In einer kurzen Fahrt geht es auf einen Parkplatz vor Grosseto. Dort sollten sich eigentlich die Nationen staatsweise besammeln. Leider haben dies die Organisatoren dieses Treffens zu wenig überlegt. Es gibt ein wildes Durcheinander von Nationalitäten. Mit Polizeibegleitung geht es nun in die Stadt. Dieser Teil ist nicht so gut organisiert. Es gibt ab und zu Abspracheprobleme zwischen Organisation und Polizei. Am Schluss landen wir in der Altstadt von Grosseto und dürfen unsere Bikes in einer Fussgängerzone parkieren. Der Apéro danach schmeckt aber recht gut. Wir geniessen diese Pause. Der Durst wird gelöscht. Bald heisst es dann wieder "Aufbrechen". Die Rückfahrt auf den Platz ist besser durchdacht. Das Nationengewirr besteht zwar immer noch. Doch der Verkehr ist besser geregelt und die Route viel besser abgesprochen.
Schon plagt uns wieder der Hunger. Diesmal bestellen wir eine Pizza, und zwar eine "grande pizza". Die ist wirklich gross. Trudi steigt schon nach der Hälfte der Pizza aus, pickt sich nur noch die feinen Pilze heraus. Walter, ein Goldwinger aus der Schweiz, erbarmt sich der übriggebliebenen Pizza und isst sie auf. Ich vertilge meine selber. Danach bin aber auch ich satt. Mit vollem Magen gehen wir zur Nationenwertung. An einem ellenlangen Tisch gesellen wir uns zu den anderen Schweizern. Kurz darauf beginnt der spannende Teil. Welche Nation hat die meisten Punkte erhalten. Die Schweiz hat es leider nicht geschafft. Mit 45 Goldwings gelangt sie auf den sechsten Platz. Zehn Punkte vor England gewinnt Deutschland. Dieser Sieg wird von den Deutschen lautstark gefeiert. Da wir die vorhergehende Nacht nicht allzu lange geschlafen haben, verabschieden wir uns und gehen ins Zelt. Obwohl in der Nähe recht laute Musik läuft, schlafen Trudi und ich sehr gut.

Sonntag, 08. Juli 2007
Wir haben beim Zeltaufstellen an etwas nicht gedacht. Da wir in der Nähe der Sanitäranlage sind, hören wir das Türe-zuschlagen recht gut. Dies weckt uns auch an diesem Morgen. Kurz nach Sonnenaufgang beginnt wieder das Zirpen der Grillen. Wir brechen das Zelt ab und verräumen alles auf der Goldwing. Kaffee und ein Gipfeli, das weckt unsere Lebensgeister. Unser Nachbarn vom Zeltplatz sind auch schon beim Essen. Wir unterhalten uns. Peter (GoldwingCenter Oftringen) und sein Team werden ins Landesinnere fahren und dort eine Route Richtung Schweiz suchen. Sie werden dafür zwei Tage einplanen. Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir geplant an der Küste entlang bis Genua zu fahren und erst dann ins Landesinnere. Es ist Sonntag und sehr viele italienische Touristen werden die Küstenstrasse mit ihren Verkehrsmitteln belegen. Wir entschliessen uns in Follonica Olivenöl zu kaufen und dann über die SS12 (Livorno - Pisa - Lucca - Abetone - Modena - Verona) bis nördlich von Verona zu fahren. Bis Livorno bleiben wir auf der Schnellstrasse. Hier erst sehen wir, wie gut unser Entscheid ist. Links und rechts wird am Strassenrand parkiert. Es spielt keine Rolle, ob das Fahrzeug ein Verkehrshindernis bildet oder nicht. Sobald wir das Küstengebiet verlassen, wird es angenehm zum Fahren. Wenig Verkehr und schön geschwungene Strassen.
Der Hunger treibt uns in ein schönes Restaurant. Ein bisschen ausruhen und den Magen füllen ist angesagt. Es ist sehr erstaunlich, wie die Italiener probieren uns die Menüs auf englisch, französisch oder deutsch zu erklären. Schlussendlich erhalten wir immer etwas Essbares. Hier rettet Trudi mehrere Fische vor ihrem Tod durch "zuwenig Wasser". Der Wirt hat vergessen den Wasserhahn zu öffnen.
Nach der Pause geht es weiter Richtung Abetone auf Modena zu. Die Strassen sind in einem recht guten Zustand. Was wir nie begriffen haben, ist die Geschwindigkeit. Fährt man bei einer 50-ger Tafel mit 60 km/h, so wird man von allen überholt. Oder plötzlich ist ausserorts bei einer schönen Gerade 50 km/h angesagt. Weit und breit keine Einfahrt oder ein Haus. Fährt man hier nach Gutdünken? Wir haben das Problem so gelöst, dass wir uns mehreren Autofahrern angeschlossen haben und so recht zügig durch die Gegend gondelten. Modena, das ist der Ort, wo Balsamico herkommt. Eine recht grosse Stadt. Zum Glück gibt es eine schöne und gut ausgeschilterte Umfahrungsstrasse. Ohne Hindernisse geht es dann Richtung Verona. Unser Ziel ist es nördlich dieser Stadt zu übernachten. Dies gelingt uns dann auch. In San Giorgio finden wir in einem Hotel ein Mansardenzimmer mit zwei Doppelbetten und einer Notliege. Also genug Platz für uns zwei. Die Aussicht ist herrlich. Die ganze Ebene mit Verona im Süden und links dem Gardasee liegt uns zu Füssen. Auf der Terasse nehmen wir unser Essen ein. Hier lese ich die Karte ein bisschen zu ungenau. Wie immer bestellen wir unser Essen. Auf der Speisekarte sind die Menüs auch deutsch angegeben (mit einigen Fehlern dabei). Ich lese bei meiner Vorspeise Knakesalat mit Spargeln. Es steht aber Krakesalat mit Spargeln. Da ich nicht gerne Meeresfrüchte habe, ist das nicht die ideale Vorspeise. Trotzdem esse ich den Salat, da er absolut nicht nach Fisch oder Meer riecht. Trudi meint zwar, dass man den Fisch klar schmecke. Zum Glück merke ich nichts. Der Rest der Mahlzeit ist für mich wieder nach meinem Geschmack (den Schülern würde man sagen: "Lies den Text genau"). Wir können aber auf der Terasse nicht zu Ende essen. Plötzlich beginnt es wie aus Kübeln zu regnen. Drinnen geht es gemütlich weiter. Mit vollem Magen geht es die enge Wendeltreppe hinauf. Zum Glück haben wir nicht zu viel Wein genossen. Sonst könnte es noch Probleme geben. Nach sehr kurzer Zeit schlafen wir beide tief und fest.

Montag, 09. Juli 2007
Schon heisst es wieder "Aufstehen". Heute liegt eine lange Etappe vor uns. Wir planen via Trento nach Tirano über den Bernina heimzukehren. Auf der Terasse schlagen wir unsere Bäuche voll mit frischem Brot, Konfi und Zutaten. Der Kaffee ist ausnahmsweise sehr gut. Nach dem Bepacken unserer Goldwing fahren wir talwärts auf die Schnellstrasse. Unsere Karte entspricht leider nicht mehr dem neuesten Stand (1985 brauchten wir schon diese Karte auf einem Italienausflug). Je weiter wir ins Gebirge kommen, umso grauer werden die Wolken. Nach Trento fahren wir kurz bei einer Raststätte von der Schnellstrasse um ein Kaffee zu geniessen und um den Regenschutz anzuziehen. Zum Glück sind wir eingekehrt. Während des kurzen Platzregen s geniessen wir den Kaffee. Da sich das Wetter wieder aufhellt, fahren wir ohne Regenschutz weiter. Kurz nach Trento verlassen wir die SS12 und biegen links nach Cles ab. Nach einer kurzen Schlucht öffnet sich das Tal. In diesem Tal sehen wir kein Ackerland. Alles ist Obst- oder Rebbau. Es sieht sehr eindrücklich aus. In Cles geht es dann Richtung Westen auf den Passo Tonale. Dieser Pass ist wie bei uns. Wir fühlen uns daheim. Auf dem Pass nehmen wir unser Essen ein. Da es zu regnen beginnt, bietet uns der Wirt die Tiefgarage an um die Goldwing unterstellen zu können. Gerne nehmen wir an. Jetzt beginnt es wirklich an zu regnen. Also müssen wir doch noch unsere Regenkleider montieren. Es blitzt und donnert. Dies erinnert uns an eine Rückkehr über den Silvrettapass in Österreich, als wir im Schritttempo fahren mussten. Jetzt ist es genau gleich. Es schüttet. Die Strasse ist zum Teil ein bisschen glitschig. Zwei- dreimal spürt das auch Trudi. Sie zeigt mir aber immer mit den Beinen an, ob ich zu schnell fahre oder nicht. In Tresendo geht es Richtung Tirano und bald auch wieder Richtung Schweiz. Das Wetter wird nicht besser. Wir hoffen auf Föhn (schön im Norden, schlecht im Süden). Auf dem Bernina beginnt es noch an zu stürmen. Ich darf nicht mehr allzu schnell fahren, da der Wind böenartig bläst. Vor uns ist auch eine dunklegraue Wand. Die Temperatur sinkt merklich. Trudi hofft, dass es auf dem Julier nicht schneit. Ich bin sehr zuversichtlich. Wegen der Wolken ist es schon ziemlich dunkel.
In Samedan fahren wir recht zügig Richtung Julier. Schon recht weit unten bläst mir der Wind Graupeln ins Gesicht. Plötzlich ruft Trudi: "es schneit". Tatsächlich. Die Windschutzscheibe beschlägt sich mit Schnee. Ich muss mich strecken um über die Scheibe sehen zu können. Zuerst hat es fast keinen Schnee auf der Strasse. Doch zuoberst auf dem Pass ist die Strasse grauweiss. Die Temperatur ist zum Zittern kalt. Wir haben uns auf Sommer, und nicht auf Winter eingestellt. Zum Glück habe ich hinten einen neuen Pneu montiert. Ansonsten wäre es wahrscheinlich eine Schlittelpartie. Schlotternd vor Kälte fahren wir wieder runter. Auf der Nordseite ist die Schneefallgrenze viel tiefer. Wir machen nur eine Pinkelpause. Wir fahren wir zügig heim um ein warmes Bad zu geniessen. Via Autobahn Chur Pfäffikon kehren wir gesund heim. Nach dem Bad gibt es noch ein einfaches, typisch italienisches Nachtessen: Pasta con pomodori (Teigwaren mit Tomatensauce).

Dies ist wieder ein schönes Erlebnis für die Erinnerungen. Trudi und ich werden wahrscheinlich bei jeder Passtour über den Julier an diese winterliche Fahrt denken. Aber wir werden uns sicher auch daran erinnern, dass es fast von Passo Tonale bis heim ununterbrochen geregnet hat.
Auf dieser Tour haben wir von sehr warm (über 30°C am Meer in Marina di Grosseto: schwitzen im T-Shirt und in kurzer Hose) bis zu sehr kalt (fast 0°C: schlottern im Töffkombi mit Regenschutz darüber, abfrieren der Fingerspitzen in "flotschnassen" Handschuhen) alles erlebt.
Das Schönste an der ganze Tour aber ist, dass wir keinen Unfall auf der ganzen Strecke gesehen haben. Ich erhoffe mir, dass es immer so gut geht.

 

 

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